Zwischen OP-Tisch und Labor

Eine junge Frau in einem Laborkittel sitzt vor einem Mikroskop. Sie lächelt in die Kamera.
Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Mangelnde Zielstrebigkeit kann ihr nicht nachgesagt werden: PD Dr. Dr. Susanne Roth wollte schon als Kind Chirurgin werden. Heute arbeitet sie im OP des Universitätsklinikums Heidelberg und forscht mit ihrer Arbeitsgruppe zum Pankreaskarzinom. Für ihre wissenschaftliche Arbeit wird sie mit dem Max-Eder-Nachwuchsgruppenprogramm der Stiftung Deutsche Krebshilfe gefördert. Im Interview berichtet Roth, welche Herausforderungen die Doppelrolle zwischen Forschung und Versorgung mit sich bringt, und warum sie den DKK besuchen wird.

Sie beschäftigen sich in Ihrer wissenschaftlichen Arbeit mit dem Pankreaskarzinom. Warum genau Bauspeicheldrüsenkrebs?
Die Behandlung des Pankreaskarzinoms ist eine besondere Herausforderung. Trotz intensiver Forschung ist die Prognose leider immer noch sehr schlecht. Nur zehn Prozent aller Erkrankten leben nach fünf Jahren noch. Inzwischen ist Bauchspeicheldrüsenkrebs die zweithäufigste Krebstodesursache in Deutschland. Deshalb ist es besonders beim Pankreaskarzinom wichtig, bessere Therapiemöglichkeiten für Betroffene zu entwickeln.

Und woran forschen Sie genau?
In unserer Arbeitsgruppe untersuchen wir die komplexe Mikroumgebung des Pankreaskarzinoms, insbesondere über welche Interaktionen Immunzellen und Bindegewebszellen die Tumorentstehung in der Bauchspeicheldrüse beeinflussen. Zudem versuchen wir die individuelle Tumorbiologie besser zu verstehen, die sich von Patient zu Patient erheblich unterscheidet, um die Entwicklung maßgeschneiderter Therapien zu ermöglichen.

Inwieweit könnte Ihre Arbeit später Patient*innen zugutekommen?
Unsere Forschung könnte dazu beitragen, neue Ansatzpunkte für Medikamente zu finden, insbesondere für Immuntherapien, sowie die personalisierte Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebspatienten zu verbessern und so endlich die Entwicklung neuer, effektiverer Behandlungsstrategien zu ermöglichen.

Sie sind Ärztin und Forscherin. Auf welche Hürden stoßen Sie bei der Doppelrolle?
Als Ärztin ist man unmittelbar mit den aktuellen Herausforderungen und Limitationen in der Behandlung der Patientinnen und Patienten konfrontiert. So hat man auch in der Forschung einen Blick für klinisch relevante Fragestellungen. Allerdings sind viele Ärztinnen und Ärzte so sehr in den Klinikalltag eingespannt, dass oftmals keine Zeit für Forschung bleibt. Deshalb sind Förderprogramme, wie etwa das Max-Eder-Nachwuchsgruppenprogramm, so wichtig.

Was bedeutet die Förderung für Ihre Arbeit?
Mit der Förderung habe ich die Möglichkeit erhalten, meine Forschungsideen weiterzuverfolgen und eine unabhängige Arbeitsgruppe aufzubauen. Zudem wird durch den regelmäßigen Austausch mit anderen engagierten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern der Aufbau eines Forschungsnetzwerks unterstützt.

Was motiviert Sie persönlich bei Ihrer Arbeit?
Ich empfinde die Arbeit als sehr bereichernd, da man als Chirurgin mit handwerklichem Geschick unmittelbar helfen kann. Jedoch ist man auch immer wieder mit den Grenzen der Behandlung konfrontiert – gerade beim Pankreaskarzinom. Daher kommt meine Motivation für die Forschung. Mein Ziel ist es, die Therapie weiter zu verbessern.

Warum ist der DKK für Sie als Nachwuchswissenschaftlerin interessant?
Die Interdisziplinarität des DKK und der Austausch mit anderen Fachrichtungen reizen mich sehr. Spannend finde ich zudem, dass es neben speziellen Angeboten für junge Onkologinnen und Onkologen auch gesundheitspolitische Formate geben wird – damit bin ich als Wissenschaftlerin noch nicht so oft in Berührung gekommen.

Infos für Nachwuchskräfte

Im Rahmen des DKK findet der Tag der jungen Onkolog*innen und ein Studierendentag statt. Hier erfahren Sie mehr über die Angebote speziell für young Professionals.