Bauchspeicheldrüsenkrebs ist ein Paradebeispiel für den Erfolg interdisziplinärer Zusammenarbeit
Im Interview: Prof. Dr. Thomas Seufferlein, Ulm
Die Deutsche Krebshilfe stellt auf dem DKK 2026 ihren neuen Förderschwerpunkt „Deutsche Allianz Pankreaskarzinom“ vor. Mit diesem Programm will sie schrittweise eine schlagkräftige, auch international sichtbare Forschungsallianz zur Bekämpfung von Bauchspeicheldrüsenkrebs aufbauen. Mit einem Anteil von etwa vier Prozent aller Tumorerkrankungen in Deutschland ist diese Tumorentität zwar selten, zählt aber bei Männern und Frauen zur vierthäufigsten Krebstodesursache. Das Ziel der Allianz ist es, gemeinsam Strategien zu entwickeln, wie die ungelösten Fragen zu Bauchspeicheldrüsenkrebs beantwortet werden können. Insgesamt stellt die Deutsche Krebshilfe Fördergelder in Höhe von 40 Millionen Euro für einen Zeitraum von fünf Jahren bereit. Gefördert werden damit drei großangelegte Projekte sowie eine Dachstruktur, die Wissenschaftler an mehreren deutschen Forschungsstandorten zusammenbringen. Professor Dr. Thomas Seufferlein, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Ulm, war als Vorsitzender des Beirats der Deutschen Krebshilfe maßgeblich an der Konzeption des Förderschwerpunkts beteiligt. Im Interview erläutert er dessen Hintergründe und Bedeutung.
Herr Professor Seufferlein, Sie haben das neue Förderschwerpunktprogramm „Deutsche Allianz Pankreaskarzinom“ begleitet, von der Konzeption bis hin zur Ausschreibung. Was hat die Deutsche Krebshilfe dazu bewogen, dieses Förderprogramm aufzulegen?
Das Pankreaskarzinom ist nach wie vor eine der Tumorerkrankungen mit der ungünstigsten Prognose. Insgesamt liegen die 5-Jahres-Überlebensraten beim Pankreaskarzinom gerade einmal bei elf Prozent. Die Idee der Deutschen Krebshilfe ist es, die besten Köpfe in Deutschland zusammenzuführen, die sich mit dem Pankreaskarzinom auf unterschiedlichen Ebenen beschäftigen. So will sie eine Allianz schmieden, die die Forschung auf diesem Gebiet wirklich weiterentwickelt, aber auch nachhaltig die Versorgung und die Prognose von Patientinnen und Patienten mit Pankreaskarzinom verbessert.
Was sind die großen ungelösten Fragen beim Pankreaskarzinom?
Das Pankreaskarzinom stellt uns vor einige große Herausforderungen: Es ist eine molekular extrem heterogene Tumorerkrankung mit hohen interindividuellen Unterschieden von Tumor zu Tumor. Die Erkrankung metastasiert sehr früh. Und wir können bislang vor allem Chemotherapien, aber nur sehr wenige „gezielte“ Therapiekonzepte einsetzen. Eine wesentliche Rolle für die zudem sehr hohe Therapieresistenz beim Pankreaskarzinom spielt das Tumormikromilieu, also die Umgebung des Tumors, das sehr stromareich ist. Darüber hinaus gibt es beim Pankreaskarzinom etliche tumortreibende Schlüsselmutationen, die bisher gar nicht oder erst seit kurzem durch spezifische Medikamente adressierbar sind. Die neue Gruppe der Ras-Inhibitoren ist hier ein erster vielversprechender Ansatz, aber weitere müssen folgen.
Welche Kriterien gab es für die Auswahl der geförderten Projekte?
Die Anträge wurden von einem internationalen Panel aus Expertinnen und Experten auf dem Gebiet begutachtet. Ausschlaggebend waren wissenschaftliche Exzellenz der Anträge und der Antragstellenden, ferner Originalität des Ansatzes und auch, ob die Projekte sich gegenseitig ergänzen.
Das Motto des DKK 2026 ist „zusammen – gezielt – zukunftsfähig“. Wie wichtig ist die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachbereichen und Disziplinen, um die Bekämpfung von Bauchspeicheldrüsenkrebs strategisch und nachhaltig voranzutreiben – und wie wird dies konkret in den geförderten Projekten umgesetzt?
Für mich ist Bauchspeicheldrüsenkrebs ein Paradebeispiel für den Erfolg interdisziplinärer Zusammenarbeit. Kein Fachgebiet – Onkologie, Chirurgie oder Strahlentherapie – erreicht alleine optimale Ergebnisse und vor allem durch interdisziplinäre Zusammenarbeit, also multimodale Therapien, konnten in den vergangenen Jahren wesentliche Verbesserungen erzielt werden. Die aktuell geförderten Projekte zielen darauf ab, das Pankreaskarzinom molekular besser zu verstehen und daraus neue Therapiekonzepte abzuleiten, neue Wirkstoffe zu entwickeln und Patientinnen und Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs auch unter Zuhilfenahme von künstlicher Intelligenz klinisch besser zu charakterisieren. Damit sollen Therapien in Zukunft individueller werden und deutlich bessere Ergebnisse zeigen.
Was hoffen Sie, kann mit dem Programm innerhalb der nächsten fünf Jahre erreicht werden? Was ist Ihre Vision, wo wir in fünf Jahren stehen?
Meine Hoffnung ist, dass wir in fünf Jahren so weit sind, dass die Allianz neue Therapiekonzepte entwickelt hat und vielleicht auch schon erste neue Therapeutika, die in Phase-I-Studien bei speziell definierten Untergruppen von Patienten untersucht werden können.
Vortragstipp
Die drei geförderten Großprojekte des Förderschwerpunkts werden vorgestellt:
Session „Deutsche Allianz Pankreaskarzinom“
Mittwoch, 18.02., 09:45 bis 10:45 Uhr, Raum London 3